“Mach’s besser!”

“Mach’s besser!”

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Das Erbe meiner Oma verändert mein Leben. Und vielleicht auch eures.

Sie gab alles, was sie besaß

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag wirklich veröffentlichen soll. Die Geschichte ist doch sehr persönlich. Aber dann dachte ich mir: Dieses große Glück, das ich im Leben hatte, ist viel zu kostbar, um es nicht zu teilen. Die Rede ist von Liebe. Vielmehr von meiner Oma. Liebe in Gestalt eines Menschen. Wahre Liebe – bedingungslos und echt. Und ich wünschte, ihr hättet sie alle kennengelernt. Denn überall, wo sie war, steckte sie Menschen an mit ihrer scheinbar unendlich vorrätigen Herzenswärme. Man musste sie einfach gern haben.

Sie lachte, wenn ihre Enkel zu Besuch kamen, gab jedem zur Begrüßung einen feuchten Kuss, fragte sofort, ob man hungrig sei und ehe man antworten konnte, servierte sie Kaffee und etwas zu Essen (ob man wollte oder nicht). Denn so war es eben, wenn man in ihr Haus kam. Gastfreundlichkeit war ihre Art, dich willkommen zu heißen. Sie suchte immer den Kontakt, wählte den Platz auf der Bank neben dir, um dir ganz nahe zu sein. Dann dauerte es nicht lang, bis sie deine Hand nahm und sie streichelte, als wäre es das Schönste, was sie je in den Händen hielt. Sie hörte zu, stellte keine unangenehmen Fragen und interessierte sich jedes Mal dafür, wie es dir geht. Sie schenkte ihr Kostbarstes, was sie geben konnte: Ihre Liebe, ihre Zeit und ihre positive Energie. Und sie selbst blieb dabei so bescheiden. Ein Lächeln von dir hätte ihr gereicht. Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortete sie immer mit: “Ich kann nicht klagen.” Und genau diese Einstellung macht sie für mich besonders. Denn Grund zum Klagen hätte sie gehabt. Sie entschied sich für Dankbarkeit und Liebe. Und wir blickten wieder auf den Garten.

Herzenswärme war unser Ritual

Genauso wie die Begrüßung ein kleines Ritual war, so war es auch die Verabschiedung. Jeder, der gehen wollte, nahm sie in den Arm, küsste sie wieder und sagte: “Mach’s gut, Ommachen.” Und es war sicher, was sie antwortete: “Mach’s besser!” und sie lächelte. Sie schenkte dir immer etwas für den Heimweg, kam dann mit zur Tür, winkte dir noch lange nach, bis dein Auto um die Ecke bog und sie dich nicht mehr sehen konnte. Und du wusstest: “Schon bald werden wir uns wiedersehen. Und du wirst mir erneut mit so viel Liebe die Tür öffnen.”

Wenn mich heute jemand fragt, was “mach’s besser” bedeutet, dann wüsste ich keine richtige Antwort darauf. Vielleicht wollte sie uns Enkelkindern Mut machen, raus in die Welt zu gehen und uns nicht unterkriegen zu lassen. Vielleicht wollte sie, dass wir aus ihren Fehlern lernen und es eben besser machen als sie. Vielleicht wollte sie uns einfach ein gutes Gefühl geben und uns zeigen, dass wir etwas Besonderes für sie sind. Dass sie sich selbst ein Stück zurücknimmt und unser Wohl ihr wichtiger ist als ihr eigenes. Egal was es auch war: Diese Verabschiedung gehörte einfach dazu und sorgte für ein wohlig warmes Gefühl in unserem Herzen. Und es war das Erste, was fehlte, als sie nicht mehr da war.

Eine Lektion in Sachen Liebe

Schon als Kind wusste ich, meine Oma ist einzigartig. Sie war so dankbar für ihr Leben, ihre Familie, ihre Blumen, ihren Mann. Sie lebte uns vor, was es heißt, bedingungslos zu lieben. Sie nahm uns Enkelkinder an, wie wir sind. Sie erwartete von uns nichts, aber gab alles, was sie besaß. Und noch mehr. Sobald wir Kinder uns zankten, ging sie dazwischen mit den Worten: “Nu, streitet nicht. Habt euch lieb.” Heute weiß ich, warum sie das tat. Sie wollte nicht etwa Harmonie um jeden Preis und allen Streit unter den Teppich kehren. Sondern brachte uns bei, dass es nichts Wichtigeres im Leben gibt, als zu lieben. Jedes Spielzeug, jeder Schokoriegel, oder später jeder Ärger im Büro, war so unbedeutend im Vergleich zur Liebe. Das ist es, auf was wir unsere Aufmerksamkeit lenken sollten.

Und sie zeigte uns, wie das ging. So erlebte man meine Oma nur selten verärgert. Sie war gewiss kein Mensch, der sich nie ärgerte, aber sie zeigte es nach außen nicht. Im Gegenteil: Sie reagierte mit Verständnis für ihr Gegenüber und ließ schlechte Energie sich gar nicht erst ausbreiten. Sie erstickte negative Gefühle direkt im Keim und setzte an die Stelle ihre Liebe. Rückblickend bleibt es mir fast ein Rätsel, mit welcher Leichtigkeit ihr das gelang. Hatte sie doch eine andere Kindheit als ich und Gründe genug, sich anders zu verhalten. Doch sie tat es nicht. Und wieder einmal stimmte hier das Gesetz der Resonanz: Denn je mehr Liebe sie gab, desto mehr Liebe zog sie an. Sie war das Herz unserer Familie und verschenkte großzügig das ihre. Sie fehlt mir.

Ich trage sie immer bei mir

Als ich sie heute vor einem Jahr an ihrem 90. Geburtstag beerdigte, wusste ich: Kein Himmel ist zu weit, keine Entfernung zu groß. Zwischen uns wird sich nichts ändern. Sie wird mich immer begleiten und meine Hand halten. Der Abschied ist nur für kurze Zeit. Dann treffen wir uns wieder. An einem anderen Ort. In einer anderen Form. Da bin ich mir sicher. Dieser Tag, an dem ich sie nicht mehr sehen konnte, aber spürte, dass ihre Liebe immer noch bei uns blieb, wirkte noch lange nach. Meine Arme ließen sie los, mein Herz hielt sie fest. Und ich erkannte das Geschenk, was sie mir erneut zum Abschied mitgab. Liebe kennt weder Raum, noch Zeit. Sie ist das, was uns verbindet. Sie macht uns stark und wird mehr, wenn man sie teilt.

Eine kleine Gravur in meinem Ring soll mich immer an diesen Moment erinnern. Leise höre ich mich heute sagen: “Mach’s gut, Ommachen.” Und ich weiß, dass sie antwortet: “Mach’s besser, Kathrinchen.” Bis zu unserem nächsten Wiedersehen.

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Deine Kati