“Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere”

“Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere”

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Oder wie war das mit dem Optimismus? Was wirklich dran ist an Weisheiten wie dieser.

Nach Luft schnappen

“Ich wurde heute gekündigt 😳” – diese Zeile erscheint auf meinem Display und trifft mich wie ein Schlag. Als hätte ich mich verguckt und würde es am Inhalt der Nachricht etwas ändern, starre ich noch eine ganze Weile auf mein Handy. “Nicht auch das noch” sind die ersten Worte, die ich laut vor mir her sage, nachdem es mir für einige Minuten komplett die Sprache verschlagen hatte.  Kopfschüttelnd, nach tröstenden Worten suchend, öffne ich den Chat und tippe: “Rufe dich gleich an.” So gewinne ich ein paar Minuten, um mich selbst zu sortieren. Ein klarer Kopf, das wäre jetzt das, was ich gebrauchen könnte, wenn meine Freundin schon keinen hat. Aber stattdessen schießen mir nur Floskeln durch den Kopf.

Der Platz ganz vorne in der Achterbahn

“Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere” oder “wer weiß, wozu es gut ist” – diese Redewendungen kennt jeder. Sie tauchen immer dann auf, wenn das Leben dir einen Strich durch die Rechnung macht. Wenn irgendwie gerade alles Mist ist. Wenn du am liebsten deine Decke über den Kopf ziehen und nie wieder darunter hervorkommen möchtest. Wenn dein Leben dir aus den Händen gleitet. Wenn du dich fragst: “Wieso gerade mir?” Wenn du, immer noch erstarrt über die plötzliche Wendung in deinem Leben, fassungslos dasitzt und dir wünschst, die Zeit noch einmal um zehn Minuten zurückspulen zu können – dahin, wo dein Leben noch in Ordnung schien. Genau dann, eigentlich nur dann, hörst du jemanden diese Sätze sagen. Du hörst die Worte zwar, aber du nimmst sie nicht wirklich wahr. Viel zu tief sitzt noch der Schock und deine Gedanken fangen an Loopings zu drehen. Dein Leben fühlt sich an wie eine rasante Talfahrt im “Silver Star” – mit 127 km/h rast deine Achterbahn bergab.

Wirkung verfehlt

Jeder hat diese Sätze schon gehört, aber jeder hat sie selbst auch schon einmal gesagt. So abgedroschen sie sich anhören, wenn man selbst der Achterbahnfahrer ist, desto mehr hofft man, dass sie beruhigen, wenn man als Gegenüber nicht weiß, was man anderes sagen soll. Aber können sie in solchen Situationen helfen?

Ich erinnere mich sehr gut, wann in meinem Leben diese Sätze auftauchten. Und ich habe festgestellt, sie kamen immer nur dann, wenn wirklich gerade nichts “nach Plan” lief. Schnell, fast automatisch, kamen diese Worte über die Lippen meiner Lieben. Mit der gut gemeinten Absicht mir damit Trost zu spenden, mich zu beruhigen und aufzubauen, erzielten sie bei mir aber häufig nicht die Wirkung. Ich wusste vorher schon, dass sie gesagt werden. Sie gehörten zu Katastrophen dazu wie Flut zu Ebbe. Und doch fiel mir gerade selbst nichts besseres ein.

Was wirklich dahinter steckt

Hast du dich schon einmal gefragt, was dir die Sätze wirklich sagen wollen? Was bedeutet eigentlich “wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere”? Die meisten, mich eingeschlossen, wissen gar nicht, dass diese Redewendung ein Zitat des britischen Erfinders und Großunternehmers Alexander Graham Bell (1847 -1922) ist und eigentlich noch weiter geht. Vollständig lautet es:

„Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere; aber wir sehen meist so lange mit Bedauern auf die geschlossene Tür, dass wir die, die sich für uns geöffnet hat, nicht sehen.“

Frei übersetzt erkläre ich mir das Zitat so: Wir denken manchmal, unsere Welt ist zu Ende, bricht ohne Vorwarnung zusammen. Dennoch gibt es eine andere Art, die Dinge zu sehen: Das Leben macht uns mit kleinen und größeren Katastrophen ein Geschenk. Es belohnt uns, durch eine neue Möglichkeit ein neues aufregendes Abenteuer zu erleben. Das Leben steckt voller Möglichkeiten, man muss nur wissen, wie man seine eigenen nutzt. Jedes Ende ist der Anfang von etwas Neuem. Dann ist der Moment gekommen, diese neuen Möglichkeiten zu entdecken und die Welt zu genießen, die sich vor uns eröffnet.

Seite an Seite

An den Worten ist was dran. Als ich meine Freundin schließlich am Telefon habe, entscheide ich mich aber doch ganz anders. Wir verabreden uns und ich höre ihr zu. Es ist das Einzige, womit ich ihr gerade helfen, ihre Situation ein klein wenig verbessern kann, so denke ich. Als ich in der Achterbahn saß, war es mir wichtig, nicht allein zu sein. Zu wissen, es war noch jemand da. Wenn der Wind dir um die Nase pfiff, der Magen sich flau anfühlte und deine Knie wackelig wurden, war es schön zu wissen, dass jemand bergab deine Hand hielt. Jetzt möchte ich meiner Freundin Mut machen, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Anstatt mich aber auf Weisheiten zu verlassen, wähle ich meine eigene Art. Ich lege meinen Arm um die Hüfte meiner Freundin, ziehe sie fest an mich und sage: “Wir schaffen das zusammen.” Ein kleines Lächeln huscht über ihr Gesicht und ich weiß, dass ich mich richtig entschieden habe.

Schon wieder kommt mir eine Redewendung in den Sinn: “Taten sagen mehr als tausend Worte.” Es geht im Leben also doch nicht ohne diese optimistischen Zeilen. Sie ermuntern. Aber vielleicht eher den, der sie sagt, und nicht den, der sie hört.

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Deine Kati