Das Wort mit W

Das Wort mit W

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Ungeliebte Gäste sind bei mir willkommen. 

Von Voldemort und anderen dunklen Mächten

Ich muss lachen, als mir dieser Titel zu diesem Artikel einfällt: Das Wort mit W. „Fast schon wie bei Harry Potter“, denke ich, wo sich die meisten Zauberer scheuen, Voldemorts Namen laut auszusprechen und nur noch von „Du-weißt-schon-wer“ oder „Der, dessen Name nicht genannt werden darf“ reden. So ähnlich geht es mir mit dem Wort Wut. Es besteht nur aus drei Buchstaben, klingt gar nicht so hart, wie sie sich anfühlt, und ging trotzdem lange nicht über meine Lippen. Ich hatte als Kind nicht gelernt, Wut zu zeigen (oder es wurde mir schnell wieder abgewöhnt). Ich hatte sie trotzdem gefühlt, hatte mich nur nicht getraut, sie mir einzugestehen. Lange Zeit fand ich schönere Ausdrücke dafür („Ich bin sauer“ oder „Ich bin enttäuscht“) oder schlimmer noch, ich verleugnete sie aus Angst, dem Gegenüber nicht zu gefallen. Dann hörte ich mich sagen: „Er konnte nicht anders. Er hat das bestimmt nicht böse gemeint“ oder „Ist schon okay.“ Puuh, ein langer und auch schmerzhafter Weg liegt zwischen damals und heute. 

Wer klopft da an die Tür?

Verleugnen gibt’s nicht. Hatte ich doch damals geglaubt, diese Emotion würde verschwinden, wenn ich sie einfach ignoriere. Tja, falsch gedacht. Mein Leben sorgte schon dafür, dass ich um meine Lernaufgabe nicht drumherum kam. Sollte ich doch verstehen, dass Emotionen wie Ärger und Wut da sein dürfen. Sie wollen dir etwas sagen. Die Frage ist nur, wie du mit diesen ungeliebten Gästen vor deiner Haustür umgehst. Je mehr ich mich dagegen sträubte, die Wut als meinen Gast in mein Haus zu lassen, desto lauter wurde ihre Stimme. Damit verbunden waren Magenkrämpfe, Rückenschmerzen, Entzündungen und sonstige körperliche Leiden. Sie fand einen anderen Weg, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen. 

Hier stinkt’s!

Wie Saeed Habibzadeh einmal so treffend sagte: „Die Menschen tragen so viel schlechte Energie in sich. Wenn man den Müll nicht beseitigt, fängt er an zu stinken. Befreit euch von dem Mist.“ Mir war immer schon klar, ich wollte diesen Mist nicht. Ich wollte ein wutfreies Leben. Nur war mir der Weg dorthin nicht klar. Ich redete schön, redete drumherum, redete gar nicht. Ich glaubte, ich könnte mich auf die schönen Emotionen fokussieren und dann würden die ungeliebten Gäste schon die Lust verlieren und weiterziehen. Ich überließ wütend sein meinem Umfeld und traf bei ihnen auf völliges Unverständnis. Sie fragten mich ungläubig: „Wie kannst du bei allem, was passiert ist, noch verständnisvoll für dein Gegenüber sein? Wieso kannst du nicht wütend sein? Du hast allen Grund dazu.“ Sie machten mir sogar Vorschläge, wie ich meine Wut endlich einmal herauslassen könnte: Im Wald laut schreien, gegen einen Sandsack hauen oder fluchen. Manches half nicht, manches blieb unversucht.

Tritt ein, bring Glück herein

Aber ich sollte es irgendwann lernen. Wie im Leben der meisten gab es Situationen, die mich wütend machten. Eine davon ging nicht weg. Sie machte mir das Leben schwer, die körperlichen Leiden kamen zurück. Ich hatte das Gefühl, dass es mich innerlich zerriss, wenn ich nicht endlich einmal wütend werden dürfte. Es pikste, es stach, es kochte innerlich. Das Unrecht, was hier passierte, ließ mich nicht wegsehen. Es schrie mich an. Irgendwann war mein Leid zu groß und ich traute mich, das Ventil, das ich allein verschlossen hielt, zu öffnen und wütend zu sein. Traute mich, hinzuschauen, wer da vor meiner Tür stand. Traute mich, die Wut anzunehmen. Hier hatte jemand meine Werte mit Füßen getreten. Da half kein Wegsehen, Schweigen oder Schönreden mehr. 

Heute weiß ich, diese Situation war ein Geschenk. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, wieder richtig atmen zu können. Denn wenn du deine Wut annimmst, bedeutet das nicht, dass du in ihr erstickst. Im Gegenteil. Ich erkannte, dass je eher ich ihr zuhöre, ihr für eine kurze Zeit Raum gebe, ihr erlaube, da zu sein, desto eher werde ich sie wieder los. Sie zeigt mir nur, wo es noch etwas zu verändern gibt in meinem Leben. Das ist alles. Jahrelang fürchtete ich den Schmerz. Ich wollte den Schmerz vermeiden. Die Wut selbst war nicht das Problem. 

Lebe wutlos glücklich

Ich möchte heute immer noch ein wutfreies Leben. Ich möchte in Liebe sein, im Einklang. Aber heute wähle ich einen anderen Weg. Wenn heute die Wut an meine Tür klopft, öffne ich ihr die Tür, lasse sie herein, spüre den Schmerz für ein paar Sekunden, atme tief ein und aus und lasse sie wieder los. Je mehr ich nämlich krampfhaft versuche, mich gegen sie zu sträuben, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt sie von mir und desto mehr halte ich sie fest. Entscheide ich mich aber, ihr wohlwollend Hallo zu sagen, fühlt sie sich gesehen und verschwindet kurze Zeit später von ganz alleine. 

Aber was mache ich mit meiner Angst, nicht zu gefallen? Denn sie war ja der Grund, wieso ich meine Wut im Außen nicht zeigen wollte. Tja, ich halte es da wie Harry Potter: Ich schaue ihr tief in die Augen und sage: „Lebt wohl, ihr dunklen Mächte, ihr Schatten der Vergangenheit.“

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Deine Kati