Warum meine Liste der guten Vorsätze leer bleibt

Warum meine Liste der guten Vorsätze leer bleibt

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Ein Jahr. Eine Frau. Und kein Chichi an Neujahr.

„Lass es dir schmecken!“

Im neuen Jahr soll sich etwas ändern, beschlossen wir. In der Adventszeit feierte ich mit meinen Freundinnen die schlechten Angewohnheiten aus dem vergangenen Jahr und der Jahre zuvor. Wir tranken Alkohol, aßen Waffeln mit Sahne, Kirschen und Puderzucker, Flammkuchen und Schokoweihnachtsmänner (genau in der Reihenfolge) und nahmen es mit dem früh-ins-Bett-gehen und dem ausreichenden Schlaf nicht so genau. Wir hatten das Gefühl, uns nach diesem überaus bewegenden letzten Jahr belohnen zu müssen. Dabei dachten wir weder an Kalorien oder Augenringe, noch an den Kater am Morgen danach. Auch am nächsten Tag blieb das schlechte Gewissen aus. Wieso auch? Wir taten das, was wir alle viel zu selten tun: Wir genossen unser Leben in vollen Zügen und feierten unsere Freundschaft. Wir waren uns einig: Das, was uns das letzte Jahr abverlangte, reichte für’s Erste. Jetzt war genug. 2019 dürfte besser werden. Noch während meine Freundin ihre Waffel mit ausreichend Sahne dekorierte und kurz darüber nachdachte, ob ihre Wunsch-Bikini-Figur dies zuließ, entgegneten wir anderen beiden mit einem gönnerhaften Lächeln: „Lass es dir schmecken!“

Vom Aufhören und Anfangen

Gerade zur Zeit um den Jahreswechsel begegnet sie uns häufig, die Liste der guten Vorsätze. Bei meiner Recherche fand ich die zehn häufigsten Neujahrsvorsätze der Deutschen. Wir wollen anfangen, wieder mehr Sport zu machen, uns gesünder zu ernähren, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen oder aufhören, uns so zu stressen, unsere Zeit vor dem Fernseher oder dem Handy zu verplempern oder Süßigkeiten, Alkohol und Zigaretten zu konsumieren. Aber wieso dreht sich bei den guten Vorsätze eigentlich immer alles um’s Aufhören oder Anfangen? Irgendwie ernüchternd, dachte ich schon nach kurzer Zeit am Computer. Je mehr Artikel ich darüber las, was sich Menschen für das neue Jahr vornehmen, desto mehr langweilte ich mich. Stand da doch überall fast dasselbe. Mh.

Nichts ist mehr als genug

Ich klappte meinen Laptop zu und machte einen Spaziergang am Rhein. (Dieser half nicht nur meinen Überlegungen, sondern auch meinem klitzekleinen Kater von gestern Abend, wie ich jetzt bemerkte.) Auch vor mir machte die Liste der wohlklingenden Vorhaben in den letzten Jahren kein Halt. So schrieb ich jedes Jahr in mein kleines schwarzes Notizbuch einige Punkte auf, die ich im neuen Jahr unter keinen Umständen aus den Augen verlieren wollte. Und wenn ich ehrlich bin, hatte ich vor einigen Tagen auch für dieses Jahr schon die neue Seite umgeblättert, mit der Überschrift „Was ich 2019 ändern möchte“. Aus einem mir bisher unerklärlichen Grund schrieb ich aber nicht wie wild darauf los, wie ich es sonst so oft tue, sondern ließ die Seite leer. Ich schaffte es nur bis zur Überschrift und dem Ausdruck verleihenden Strich darunter. Ansonsten stand da – nichts.

(Bewusst)Sein

Je mehr Zeit ich an der frischen Luft verbrachte, desto klarer wurde jetzt auch mein Geist. So langsam verstand ich, warum mein Stift nicht gleich über die Seite flog. Ich hatte mit meinen Freundinnen ja beschlossen: Dieses Jahr sollte sich etwas ändern. Wieso also anfangen oder aufhören? Wieso nicht einfach nur SEIN? Damit meine ich nicht, dass wir keine Ziele oder Träume mehr haben sollten. Gute Vorsätze sind für mich etwas anderes als berufliche und private Ziele oder Wunschträume. Gute Vorsätze sind für mich unehrliche Absichten und Ausreden. Je mehr wir uns damit beschäftigen, aufzuschreiben, was sich alles ändern müsste, was wir aufhören oder anfangen sollten, um endlich glücklich sein zu können, desto mehr drücken wir unseren Mangel von Glück aus. Wir drücken aus, dass wir uns nach etwas anderem sehnen. Nach einem Zustand, der uns noch glücklicher machen könnte als der, der gerade ist. Was wäre aber, wenn wir einfach annehmen, was ist, und einfach nur sind? Kein Aufhören, kein Anfangen. Kein Aufschieben von Glücklichsein. Einfach nur bewusstes SEIN.

Ich wusste es, bevor ich es wusste

Meine Seite blieb also bewusst, unbewusst leer. Das war es, was sich 2019 ändern sollte. Es war meine Haltung. Mir gefällt die leere Seite, denn sie lässt Raum dafür, etwas entstehen zu lassen. Ich treffe dieses Jahr also ganz bewusst die Entscheidung, mich darauf einzulassen, was in diesem Jahr passieren wird. Zu vertrauen und neugierig zu sein, auf das, was sich zeigen möchte. Und das möchte ich mit großer Dankbarkeit tun. Also, wenn ich doch einen Vorsatz für dieses Jahr habe, dann ist es Dankbarkeit. Die behalte ich aber fest in Gedanken, um mich selbst daran zu erinnern, dass es keine unehrliche Absicht oder Ausrede für das Jetzt ist. Die Seite selbst lasse ich leer.

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