Wenn ich drei Wünsche frei hätte

Wenn ich drei Wünsche frei hätte

Es ist gut, den Unterschied zu kennen.

It’s Showtime, baby!

Zwischen braun-goldenen Kissen und Kerzenlicht habe ich es mir im Café gemütlich gemacht. Das unbeständige Nordseewetter bittet mich förmlich darum, noch einen Cappuccino zu bestellen. Mein Blick geht auf mein Handy. Ich stöbere auf Instagram und klicke mich durch Posts von Unternehmern, Autoren, „Spiris“ (ugs. spirituell interessierte Menschen) und Changemaker. Montagabend, 19:43 Uhr – Hauptsendezeit meiner Generation. 

Es kommt mir so vor, als würde jeder geniale Projekte starten, jeder in der ersten Reihe sitzen, Neues kreieren, „erfolgreich“ sein. Jeder möchte etwas bewegen, die Welt verändern, verbessern. Und das alles noch bevor er 30 wird, noch bevor die Ausbildung beendet ist. Und sollte dieses Zeitgefühl stimmen, dann bin ich schon fünf Jahre drüber. 

Es glitzert wie im Märchen

Irgendwie scheint jeder schneller, besser und erfolgreicher zu sein. Ich weiß, dass nicht alles Gold ist, was glänzt, und auf Instagram schon zwei Mal nicht. Ich weiß, dass dort vieles nicht echt ist. Und trotzdem beschäftigt es mich. 

Vor kurzem spielte ich mit meiner Freundin das Spiel: „Bitten wir doch einfach eine Fee, uns drei Wünsche zu erfüllen. Dann müsste es doch märchenhaft werden.“ Noch bevor mein Cappuccino gebracht wird, höre ich mich sagen: „Chill mal deine Base – es ist alles gut so, wie es ist. Es kommt alles zu seiner Zeit – auch ohne Fee“. Aber meine ich das auch so? Oder ist es nur eine Ausrede, sich nicht vorwärts zu bewegen, sich hinter den „Umständen“ zu verstecken?

Genau wie bei Aschenputtel

Wenn im Minutentakt neue Podcast-Shows entstehen, neue Influencer sich selbst zu solchen machen, brandaktueller Content veröffentlicht wird, dann fühle ich mich überfordert und gestresst zugleich. Meine Aschenputtel-Fertigkeit zur Filterung von Inhalten („Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.“) entwickelt sich nicht so schnell, wie es die Medienwelt von mir verlangt. Unausweichlich konsumiere ich Beiträge, die mich nicht interessieren oder mich vergleichen lassen. Geht es dir manchmal auch so? 

Wenn ich dann die Menschen sehe, die jünger sind als ich und ein Buch geschrieben, ganze Stadien mit ihrer Musik gefüllt, die Welt bereist, gemeinnützige Vereine gegründet und unglaublich mutige Dinge gemacht haben, dann fällt es mir leicht, mich klein zu fühlen.

War das schon alles?

Ich sollte mit 35 Jahren weiter sein. Stattdessen halte ich mich zurück. Ich fühle mich zu langsam. Nicht erfolgreich genug. Ganz zu schweigen davon, dass ich meine Ideen unwichtig finde im Vergleich zu den Weltereignissen, mit denen wir konfrontiert sind. Es gibt so viel auf meiner Herzenswunschliste. So viel, von dem ich immer noch träume. Aber die Wahrheit ist: Ich habe Angst. Ich bin nicht mutig genug. Ich hätte so viel mehr tun können. Ich fühle mich längst nicht an dem Punkt, an dem ich jetzt sein sollte. Aber wo sollte ich sein? 

Die Erkenntnis kommt löffelweise

Als ich damit beginne, meinen Milchschaum aus der Tasse zu löffeln, weiß ich, was zu tun ist: Ich konzentriere mich auf das, was ich habe und wer ich bin, und nicht auf das, was ich nicht habe und wer ich nicht bin. Ich möchte mich wieder öfter fragen: „Was ist es, was ich wirklich, wirklich will?“ Ich lenke meinen Fokus weg von den Stiefschwestern und wieder zurück auf Aschenputtel. Möchte ich eine Podcast-Show haben, nur weil es cool ist, eine zu haben? Möchte ich einen Youtube-Kanal aufbauen, mitten in der Stadt leben, ein Auto kaufen, mein Geld spenden, mich vegan ernähren…, weil es angesagt ist? Weil es mich interessanter macht? Was ist meine Motivation? Bin ich durch Applaus motiviert? Oder aus Liebe?

Wann fühle ich mich schnell, gut und erfolgreich?

Ich möchte, dass meine Realität mit meinen Werten übereinstimmt. Dann fühle ich mich erfolgreich. Ich fühle mich unwohl, wenn ich mich nach Dingen sehne, nur weil sie bei anderen gut aussehen – nicht weil ICH sie wirklich möchte. Es kommt auf den Unterschied an – zwischen dem, was ich glaube, haben zu wollen, und dem, ohne das ich nicht sein will. Der Unterschied zwischen dem, was angesagt ist, und was mir am Herzen liegt. Lasst uns dieses eine Leben nicht verschwenden mit dem Wunsch nach einem anderen und das tun, wofür wir hier sind.

Und wenn es wirklich eine Sache gibt, die ich mir bei meiner Fee wünschen würde, dann ist es MUT. Um mutig ich selbst zu sein. 

LINKS AUS DIESEM POST

TITELBILD von Sarina Kullmann – die beste Fotografin der Welt 🙂

INSTAGRAM: #loewenschwester – Treffe andere Löwenschwestern!

FACEBOOK: #einzikatig – Hinter jedem Portrait steckt ein Mensch mit einer Geschichte.

INSTAGRAM: #einzikatig – Lass dich von mir inspirieren.

Bleibe einzikatig!

Deine Kati


No Comments

Sorry, the comment form is closed at this time.